Forscher der Stanford University, der Northwestern University, der Washington University und von Google DeepMind stellten fest, dass künstliche Intelligenz menschliches Verhalten mit einer Genauigkeit von 85 % nachbilden kann. Eine Studie zeigte, dass es ausreichte, ein KI-Modell zwei Stunden lang eine menschliche Testperson interviewen zu lassen, damit es deren Werte, Präferenzen und Verhalten erfassen konnte.
Veröffentlicht im Open-Access-Archiv arXiv im November 2024, verwendete die Studie ein generativ vortrainiertes Transformer-KI-Modell GPT-4o, dasselbe Modell, auf dem OpenAI’s ChatGPT basiert. Die Forscher versorgten das Modell im Vorfeld nicht mit vielen Informationen über die Testpersonen. Stattdessen ließen sie es die Testpersonen zwei Stunden lang interviewen und anschließend digitale Zwillinge erstellen.
„Zwei Stunden können sehr viel bewirken“, sagte Joon Sung Park, Doktorand der Informatik an der Standford University, der das Forscherteam leitete.
So funktionierte die Studie
Die Forscher rekrutierten 1.000 Menschen unterschiedlichen Alters, Geschlechts, verschiedener Ethnien, Regionen, Bildungsniveaus und politischer Überzeugungen und zahlten jedem von ihnen 100 US-Dollar für die Teilnahme an Interviews mit zugewiesenen KI-Agenten. Sie absolvierten Persönlichkeitstests, soziale Umfragen und Logikspiele und nahmen an jeder Kategorie zweimal teil. Während der Tests führt ein KI-Agent die Testpersonen anhand einer Reihe von Umfragefragen durch ihre Kindheit, prägenden Jahre, Berufserfahrungen, Überzeugungen und sozialen Werte. Nach dem Interview erstellt das KI-Modell eine virtuelle Replik, einen digitalen Zwilling, der die Werte und Überzeugungen der interviewten Person verkörpert.
Die Repliken der KI-Simulationsagenten ahmten anschließend ihre Gesprächspartner nach und absolvierten dieselben Aufgaben mit erstaunlichen Ergebnissen. Im Durchschnitt stimmten die digitalen Zwillinge in Verhalten und Präferenzen zu 85 % mit ihren menschlichen Gegenstücken überein. Wissenschaftler könnten solche Zwillinge für Studien einsetzen, die mit menschlichen Testpersonen ansonsten zu kostspielig, unpraktikabel oder ethisch nicht vertretbar wären.
„Wenn eine ganze Reihe kleiner ‚Duplikate von dir‘ herumläuft und tatsächlich die Entscheidungen trifft, die du getroffen hättest“, sagte Park, „dann ist das meiner Meinung nach letztlich die Zukunft.“
In den falschen Händen könnte diese Art von KI-Agent jedoch dazu verwendet werden, Deepfakes zu entwickeln, die Fehlinformationen verbreiten sowie Betrug zu begehen oder Menschen zu täuschen. Die Forscher hoffen, dass diese digitalen Repliken dazu beitragen, einen solchen böswilligen Einsatz der Technologie zu bekämpfen und zugleich ein besseres Verständnis des menschlichen Sozialverhaltens zu ermöglichen.

