Trotz der zunehmenden Verbreitung zeigt eine neue Studie, dass KI-Tools, darunter Chatbots wie ChatGPT, branchenübergreifend „keine signifikanten Auswirkungen auf Einkommen oder erfasste Arbeitsstunden“ gehabt haben und damit hinter den Erwartungen an die Produktivität am Arbeitsplatz zurückbleiben.
Die von dänischen Forschern geleitete Studie, die zahlreiche Berufe abdeckt, legt nahe, dass KI zwar bestimmte Aufgaben effizienter gestalten kann, aber nicht zu messbaren Veränderungen bei Bezahlung oder Arbeitszeit geführt hat. Die Ergebnisse stellen die weitverbreitete Annahme infrage, dass KI den Arbeitsmarkt grundlegend verändern wird, und deuten darauf hin, dass ihre Auswirkungen möglicherweise begrenzter sind als von vielen prognostiziert.
KI spart weniger als 3 % der Zeit, verändert die Arbeit aber nicht spürbar
Eine aktuelle Studie der Wirtschaftswissenschaftler Anders Humlum und Emilie Vestergaard untersuchte die Verbreitung und die Auswirkungen von ChatGPT und ähnlichen KI-Tools auf den Arbeitsmarkt unter 25.000 Beschäftigten in 11 Berufen in Dänemark. Obwohl KI weitverbreitet ist – etwa die Hälfte der Beschäftigten in betroffenen Berufsfeldern nutzt künstliche Intelligenz –, stellte die Studie keine signifikanten Auswirkungen auf Löhne oder geleistete Arbeitsstunden fest. Die Untersuchung schätzt, dass KI im Durchschnitt lediglich 2,8 % der Arbeitszeit einspart, also ungefähr eine Stunde pro 40-Stunden-Woche.
Die Forscher beobachteten außerdem, dass Beschäftigte zusätzliche Zeit darauf verwenden, KI-Ergebnisse zu überprüfen oder neue Verantwortlichkeiten zu übernehmen. Für 8,4 % der Beschäftigten sind neue KI-bezogene Aufgaben entstanden, was den potenziellen Produktivitätszuwachs weiter schmälert. Insgesamt stellen die Daten die Erwartungen an einen raschen, KI-getriebenen Wandel der Arbeitsmärkte infrage.
Warum KI die Produktivität nicht wie erwartet steigert
Einige Experten argumentieren, dass die enttäuschenden Produktivitätszuwächse durch KI, wie sie in der Studie von Humlum und Vestergaard zu beobachten sind, darauf zurückzuführen sind, wie Unternehmen die Technologie einsetzen.
Ravin Jesuthasan vom MIT ist der Ansicht, dass die Einführung von KI allein nicht ausreicht; echte Fortschritte erfordern, dass Unternehmen Arbeitsabläufe neu gestalten, Routinetätigkeiten automatisieren und Teams neu organisieren. Ohne diesen grundlegenden Wandel laufen Unternehmen Gefahr, veraltete Prozesse beizubehalten und dadurch den Nutzen der KI-Einführung zu begrenzen.
Einige Forscher berichten von deutlichen Produktivitätszuwächsen durch den Einsatz von KI
Im Gegensatz dazu zeigte ein NBER-Papier aus dem Jahr 2023 von Erik Brynjolfsson, Danielle Li und Lindsey R. Raymond, dass generative KI-Tools die Produktivität von Kundensupport-Mitarbeitern um fast 14 % steigerten, wobei weniger erfahrene Beschäftigte Verbesserungen von bis zu 34 % verzeichneten.
Diese gegensätzlichen Ergebnisse verdeutlichen, wie komplex die Bewertung der wirtschaftlichen Auswirkungen von KI ist, die je nach Branche, Aufgabenstruktur und Zusammensetzung der Belegschaft erheblich variieren können.
Die tatsächlichen Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt
Ob KI die Arbeitswelt tatsächlich revolutionieren wird, bleibt ungewiss. Die bisherigen frühen Erkenntnisse zeichnen ein gemischtes Bild. Vorerst sind möglicherweise weitere Forschung – und Geduld – nötig, bevor sich belastbare Schlussfolgerungen ziehen lassen. Solange die Auswirkungen nicht klarer sind, könnte eine gezielte Integration von KI mehr bringen als weitreichende Erwartungen.

