Generative KI ist aus dem Studienalltag nicht mehr wegzudenken: Die Mehrheit der Studierenden nutzt die Technologie für ihre Kursarbeit. Ein Student bezeichnete sie sogar als „24/7-Tutor“.
Laut der Student-Voice-Umfrage von Inside Higher Ed wünschen sich nahezu alle Studierenden, dass Hochschulen klare Regeln aufstellen und Schulungen zur ethischen Nutzung von KI anbieten. Während einige sagen, dass die Tools das Lernen fördern und ein Studium sogar wertvoller machen, sorgen sich andere um kritisches Denken und akademische Integrität.
- Eine landesweite Bestandsaufnahme zu Studierenden und generativer KI
- Brainstorming, Nachhilfe und Lernen sind die häufigsten Einsatzbereiche von KI-Tools bei Studierenden
- KI fördert und beeinträchtigt das Lernen
- Studierende wünschen sich Orientierung bei der KI-Nutzung, keine Verbote
- Das Studium bleibt für Studierende relevant – aber wird KI seinen Wert mindern?
Eine landesweite Bestandsaufnahme zu Studierenden und generativer KI
Die aktuelle Student-Voice-Umfrage von Inside Higher Ed beleuchtet genauer, wie generative KI mit dem Hochschulalltag zusammenwirkt. Erfasst wurden die Antworten von 1.047 Studierenden an 166 staatlichen und privaten, gemeinnützigen Einrichtungen mit zwei- und vierjährigen Studiengängen im ganzen Land.
Die Umfrage sollte die Perspektiven von Studierenden auf die fortlaufende Anpassung des Hochschulwesens an künstliche Intelligenz (KI) sichtbar machen. Sie liefert Momentaufnahmen davon, wie Studierende die Rolle von KI für ihr Lernen, die akademische Integrität und den übergeordneten Wert eines Hochschulstudiums beurteilen
Brainstorming, Nachhilfe und Lernen sind die häufigsten Einsatzbereiche von KI-Tools bei Studierenden
Generative KI ist schnell zu einem Bestandteil des Studienalltags geworden. Die meisten Studierenden nutzen sie als Ergänzung, nicht als Ersatz für ihre eigene Arbeit. Die Umfrage ergab, dass 85 % der Studierenden im vergangenen Jahr für ihre Kursarbeit auf KI-Tools zurückgegriffen hatten. Zu den am häufigsten genannten Einsatzbereichen gehören:
- 55 % zum Brainstorming von Ideen
- 50 % zum Stellen von Fragen an die KI wie an einen Tutor
- 46 % zum Lernen für Prüfungen oder Tests
- 44 % zum Überarbeiten oder Kontrollieren eigener Texte
- 42 % als erweiterte Suchmaschine
KI wurde über alle Einrichtungstypen hinweg intensiv genutzt: 79 % der Studierenden an Community Colleges und 86 % der Studierenden an vierjährigen Hochschulen gaben an, sie im vergangenen Jahr für akademische Arbeiten genutzt zu haben.
KI fördert und beeinträchtigt das Lernen
Studierende berichten von gemischten Erfahrungen damit, wie generative KI ihr Studium verändert, und sehen KI offenbar als zweischneidiges Werkzeug. Die Umfrage ergab, dass unter denjenigen, die im vergangenen Jahr KI für ihr Studium nutzten:
- 55 % angaben, die Auswirkungen seien gemischt. KI sei bisweilen nützlich, habe sie aber auch dazu gebracht, weniger tiefgehend nachzudenken.
- 27 % sagten, sie habe sich positiv ausgewirkt, ihnen geholfen, Konzepte zu verstehen, und ihr Denken verbessert.
- 7 % sagten, sie habe sich negativ ausgewirkt, weil sie sich zu sehr auf die Technologie verließen.
Studierende wünschen sich Orientierung bei der KI-Nutzung, keine Verbote
Darüber hinaus sind Studierende ganz überwiegend der Ansicht, dass Hochschulen Maßnahmen im Umgang mit generativer KI ergreifen sollten. Sie bevorzugen jedoch Schulungen und Transparenz gegenüber Strafmaßnahmen. Beachtliche 97 % der Befragten sagten, Bildungseinrichtungen sollten auf Bedenken hinsichtlich der akademischen Integrität im Zusammenhang mit KI reagieren. Dabei:
- 53 % wünschen sich Aufklärung über die ethische Nutzung von KI.
- 51 % wünschen sich klare, einheitliche Richtlinien dazu, wann und wie KI eingesetzt werden darf.
- 45 % befürworten den Einsatz von KI, sofern Studierende transparent damit umgehen.
Nur eine Minderheit unterstützt strengere Maßnahmen: 21 % sprechen sich für KI-Erkennungssoftware aus, 18 % für Verbote im Unterricht.
Die Ergebnisse zeigen, dass Studierende deutlich eher proaktive Orientierung als Überwachung oder Einschränkungen wünschen.
Das Studium bleibt für Studierende relevant – aber wird KI seinen Wert mindern?
Auf die Frage, wie generative KI den Wert einer Hochschulbildung beeinflusst habe, tendierten die Studierenden zu der Einschätzung, dass dieser stabil geblieben oder sogar gestiegen sei. Fast ein Viertel, nämlich 23 %, sagte, ein Studium sei im KI-Zeitalter wertvoller, verglichen mit 18 %, die es als weniger wertvoll bezeichneten.
Außerhalb des Hörsaals ist das Bild jedoch unsicherer. Eine aktuelle Analyse des Burning Glass Institute ergab, dass KI automatisiert viele Einstiegsaufgaben, die einst Hochschulabsolventen vorbehalten waren, und dadurch den Wert eines Bachelorabschlusses auf ein 30-Jahres-Tief drückt sowie die Arbeitslosigkeit unter Hochschulabsolventen auf nahezu das Niveau von Menschen ohne Hochschulabschluss steigen lässt.
Diese Diskrepanz zeigt: Abschlüsse haben nach wie vor Gewicht, doch der Weg, den sie einst garantierten, wird schmaler. Das Diplom öffnet noch immer Türen. Das Problem ist, dass KI einige davon schließt.
Eine ausführliche Analyse zur KI-Nutzung im Bildungswesen finden Sie in „When ChatGPT Becomes CheatGPT, What Are We Actually Learning?“ von Grant Harvey von TechnologyAdvice.

